Wie auch immer. Gestern, am 28. November, fand die Veröffentlichung der (Vor-)Wahlergebnisse statt. Die führenden Liberalen in der Partei wurden, getreu der Tradition der revisionistischen Bewegung, auf der Liste in aussichtslose Positionen gedrängt. Aber die eigentliche Geschichte dreht sich nicht darum, wer es nicht in die Liste geschafft hat, sondern, wer es geschafft hat. Werfen wir einen Blick auf die wichtigsten „Demokraten“, die sich für die nächste israelische Knesset zur Wahl stellen:
Auf Listenplatz 2 steht der derzeitige Bildungsminister Gideon Saar. Während seiner Amtszeit fiel Saar mit so manch interessanter Initiative auf – als Bildungsinitiativen lassen sich diese zwar nur bedingt bezeichnen, aber wir wollen mal nicht kleinlich sein. Während die israelischen Schüler in Hinblick auf die Bereiche Wissenschaft und Mathematik sowie die Lernbedingungen allen anderen OECD-Staaten hinterher hinken, ist sich Saar sicher, wo das Geld der Steuerzahler bestens investiert ist.
Eine seiner bedeutendsten Initiativen besteht in der großartigen Idee, jeden israelischen Schüler eine „Patenschaft“ für ein Grab eines gefallen IDF-Soldaten übernehmen zu lassen. Ein weiterer genialer Gedanke ist die Einführung organisierter Klassenfahrten zum Grabe Abrahams in Hebron, einer von 125.000 Arabern bewohnten palästinensischen Stadt, in der rund 400 extremistische jüdische Siedler von einer kompletten Armeebrigade (welcher der Autor dieses Blogs als junger Soldat angehörte) geschützt werden müssen. Doch Saar beließ es nicht bei Kindern und Teenagern. Eine seiner größten Errungenschaften auf dem Gebiet der höheren Bildung ist die Errichtung einer Universität in der Siedlung Ariel und die gleichzeitige versuchte Schließung des politikwissenschaftlichen Instituts der Ben Gurion-Universität, weil dieses womöglich zu kritisch und linksgerichtet für den Geschmack des Ministers eingestellt ist. Bildungsminister? Eher Ignoranz- und Militarisierungsminister. Genau der Art, die schon heute den richtigen Wähler für den rechten Flügel der Zukunft ausbrütet.
Der sechste Platz auf der Liste gehört dem aufsteigenden Stern am aktuellen Likkud-Himmel, dem Knesset-Abgeordneten Dani Danon, der bereits als „der neue McCarthy“ betitelt wurde. Unter seinen Erfolgen in der Knesset findet man z.B. Aufrufe gegen Flüchtlinge und Asylsuchende sowie den Israel-Besuch seines Freundes Glenn Beck, eines Mannes, dessen Ansichten selbst für das amerikanische FOX-Network zu weit rechts waren und der die bei der Schießerei in Norwegen von Anders Breivik ermordeten Jugendlichen mit der Hitlerjugend verglich.
Der Knesset-Abgeordnete Zeev Elkin wurde auf den 9. Platz gewählt. Zu seinen Leistungen kann man – neben seinem Dasein als Siedler – das berüchtigte „Anti-Boykott-Gesetz“ zählen, das nach seiner Verabschiedung massive Strafen für alle Organisationen oder Einzelpersonen zur Folge hat, die zum Boykott israelischer Produkte aufrufen – einschließlich der Boykotte von Waren, die in den besetzten Gebieten hergestellt wurden.
Der Knesset-Abgeordnete Yariv Levin machte sich die Beschränkung der Pressefreiheit zur Aufgabe. Im Zuge der Änderung des „Verleumdungsgesetzes“ erreichte er die Anhebung der Kompensationszahlungen für üble Nachrede von 50.000 Schekel auf 300.000 Schekel (etwa 75.000 €), ohne dass ein Schaden nachgewiesen werden müsste. Nun müssen sich Journalisten schon zweimal überlegen, ob sie über Politiker recherchieren.
Auf Platz 14 finden wir dann auch die erste Frau in der Liste. Die Knesset-Abgeordnete Miri Regev ist die vielleicht passendste Repräsentantin der unschönen israelischen Politik derzeit. Während einer Demonstration gegen afrikanische Flüchtlinge und Asylsuchende im Mai dieses Jahres war sie die wortführende Agitatorin des Abends und bezeichnete die Afrikaner als „Krebsgeschwür“. Regev war außerdem die Hauptinitiatorin des (bislang gescheiterten) Gesetzentwurfs zur Annexion des Westjordanlands. Darüber hinaus ließ sie vor einigen Wochen im Rahmen einer Live-Debatte vollkommen offen verlauten, sie sei stolz, eine Faschistin zu sein.
Die Liste geht weiter und weiter, aber wir können nicht aufhören, bevor wir bei Moshe Feiglin (Platz 15), dem womöglich gefährlichsten Mann von allen, angelangt sind. Obwohl Israels Grundgesetze – der schwache israelische Ersatz für eine Verfassung – Volksverhetzung untersagt, plädierte Feiglin jahrelang für eine „einvernehmliche Verlegung“ (soll heißen: Umsiedlung) von israelischen Bürgern arabischer Herkunft. Der Mann, der jüngst stolz erklärte, er sei homophob, erklärte letztens, er bewundere niemand geringes als Adolf Hitler. In einigen Ländern hat Feiglin Einreiseverbot; in Israel wird er schon bald Abgeordneter der Knesset sein.
Wer noch immer nicht begriffen hat, in welche Richtung Israel marschiert, dem rate ich, die Liste fortzuführen und Ofir Akunis, Tispi Hotbili und Gila Gamliel zu googlen. Wenn man diese Personen nun gedanklich den „Demokratietreuen“ der Liebermann- und der Schaspartei zuordnet, dann ergibt sich ein ziemlich düsteres Bild von Israels Zukunft. Dieser Text erklärt so einiges davon.
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Manchmal bekomme ich mit, wie Leute von innerhalb oder außerhalb Israels über Tsipi Livni reden und sie dabei als eine Art liberalen Messias betrachten. Bullshit. Lasst uns die Dinge klarstellen, ein für alle Mal. Tsipi Livni wuchs mit der Likud-Partei auf. Als Justizministerin führte sie einige der dunkelsten, antidemokratischsten Gesetzgebungen der vergangenen Jahre ein. Zu diesen gehörte die Änderung des israelischen Zivilgesetzes, das es nicht-jüdischen israelischen Bürgern fortan verbietet, nach der Heirat eines Nicht-Staatsangehörigen im Land zu bleiben, da letzteren kein Bleiberecht auf Grundlage der Ehe bewilligt wird. Noch mal: Für Juden gilt dies nicht.
Nichtsdestoweniger bleibt Livnis größte Sünde die aktuelle Regierung. Im Jahr 2009 gerierte sie sich als Alternative zu Netanjahu und erhielt viele Stimmen moderater und linker Wähler, die glaubten, sie stelle wirklich eine Alternative dar. Was sie ernteten, war eine Opposition, die drei Jahre lang an Schwäche und Ohnmacht in jedem demokratischen Parlament der Welt ihresgleichen sucht. Livni blieb nicht nur untätig in ihrer Rolle als Führerin der Opposition und größten Partei der Knesset, sie unterstützte auch immer wieder die Regierung. So absurd war ihr Gebaren, dass der türkische Premierminister – selbst nicht gerade als Musterdemokrat bekannt – sie sogar als Beispiel für eine „Opposition wie man sie sich wünscht“ anführte.
In drei Jahren als Kopf der „Opposition“ war Livni an ganzen 6 Gesetzentwürfen beteiligt, von denen KEINER verabschiedet wurde. Nur zum Vergleich: Ein anderes Mitglied der Opposition aus der Meretz-Partei brachte es auf 219 Gesetzesanträge, von denen schließlich immerhin 9 verabschiedet wurden.
Wir reden über eine Frau, die behauptete, die säkularen Einwohner Tel Avivs wären nicht religiös genug, während sie schwieg, als ihre eigenen Poster in Bnei-Brak und Jerusalem zerrissen wurden, nur weil sie eine Frau ist.
Und nicht zu vergessen, es handelt sich die Frau, die sich dem Friedensplan des früheren Premierministers Ehud Olmert, zugleich ihr Parteigenosse, entgegenstellte, während sie mit ihm derselben Regierung angehörte. Was um alles in der Welt hätte sie uns noch zu anbieten?
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Im Laufe des Tages wird Palästina ein UN-Nichtmitgliedstaat mit Beobachterstatus werden. Ein wichtiger Schritt hin zur Unabhängigkeit. Nachdem sich die israelische Regierung beharrlich weigerte, weitere Kriegsverbrechen in Form von Ansiedlungen weiterer Zivilisten im Westjordanland zu unterbinden, ging Abbas schließlich den diplomatischen Weg über die UN, was die israelische Regierung als „diplomatischen Terrorismus“ verurteilte. Diese Message haben zwei israelische Abgeordnete des rechten Knessetflügels (Arie Eldad und Michael Ben-Ari) zu früherer Abendstunde verinnerlicht; sie feiern dies symbolisch in eigener Manier:
Allerdings sind sie nicht das Thema hier, sondern die israelische Regierung. Nie zuvor richtete eine Staatsführung in Hinblick auf die Interessen des eigenen Volkes so viel Schaden an wie die israelische Regierung. Es ist absurd, dass es der Palästinenserführer ist, der sich für unsere Interessen als Israelis einsetzt, indem er an die internationale Gemeinschaft appelliert, den Druck gegen die illegalen Besiedlungsprojekte zu erhöhen.
Der heutige Tag ist mit dem 29. November auch das Datum, an dem die Juden zum ersten Mal die Anerkennung der UN auf ihrem Weg zur Errichtung eines unabhängigen Staates erhielten. Wie symbolträchtig – und wie wunderbar – es wäre, wenn Israelis und Palästinenser den 29. November irgendwann einmal gemeinsam feiern könnten…
Roy Siny
Übersetzung von Stefan Schilde
Großen Dank an Christian Schulz


